Thrombose-Initiative

 

                                                                                       

Prof. Günter Blobel, Nobelpreisträger und Schirmherr der Thrombose Initiative, gestorben

Der deutschstämmige Medizin-Nobelpreisträger Prof. Günter Blobel ist tot. Der 81-Jährige Forscher starb am Sonntag, 18.02.2018, in New York. Er erlag er einem langen Krebsleiden. Professor Blobel, der an der Rockefeller University rund 50 Jahre gewirkt hatte, leistete einen außerordentlichen Beitrag für die Grundlagen der Zellbiologie und Biochemie.

Der 1936 in Schlesien geborene Blobel war Ende des Zweiten Weltkrieges mit seinen Eltern vor der vorrückenden Roten Arme nach Westen geflohen und dabei auch in das noch unzerstörte Dresden gekommen. Die Bombardierungen im Februar 1945, bei denen weite Teile der Stadt zerstört wurden, erlebte er aus der Entfernung. Blobel wuchs in Freiberg/Sachsen auf und setzte sich wegen der begrenzten Studienmöglichkeiten in der DDR in den 1950er Jahren in den Westen ab. Er studierte in Frankfurt am Main, München, Kiel, Freiburg im Breisgau und Tübingen Medizin. Seit 1969 lehrte und lebte er in New York. Den Großteil des Preisgeldes für den Nobelpreis, den er 1999 erhielt, stiftete er für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Sein Engagement galt neben dem Einsatz für seine Wahlheimat Dresden der Förderung des medizinischen Nachwuchses.

Der Thrombose Initiative war er als Schirmherr seit 2011 verbunden und hat uns dabei unterstützt, unser Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Thrombose Initiative hat einen wunderbaren Wissenschaftler und Förderer verloren. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Foto: Bernd Settnik

THROMBOSE Initiative e.V.

Pressemitteilung

Welt-Thrombose-Tag 2017

Zur Vorbereitung des Weltthrombosetages am 13.10.2017 hat die Thrombose-Initiative e.V. verschiedene Aspekte im Umgang mit diesem Krankheitsbild in Berlin der Presse vorgestellt. Der Weltthrombosetag wird in Gedenken an Rudolf Virchow am 13. Oktober jährlich ausgerufen.

Prophylaxe venöser Thromboembolie

Trotz intensiver Bemühungen, Leitlinien und wirksamer Präparate zur Prophylaxe venöser Thromboembolie sinkt die Anzahl der betroffen Patienten in Deutschland nicht, sondern stieg in den letzten 10 Jahren an. Die Ursachen sind unklar. Es stellt sich aber die Frage, ob die bisherigen Prophylaxemaßnahmen, die sich primär auf stationäre oder ambulant behandelte Patienten beziehen, ausreichen. Die Mehrheit der venösen Thromboembolien entsteht heute außerhalb einer medizinischen Umgebung. Die überalternde Bevölkerung, die zunehmende Adipositas und die Zunahme von beruflich bedingter Immobilität durch Computerarbeitsplätze, könnten eine Rolle spielen. Zukünftige Ansätze der Prophylaxe muss diese gesellschaftlichen Entwicklungen berücksichtigen und über den Tellerrand der rein medizinischen Risiken hinaus versuchen, das Risiko für eine venösen Thromboembolien zu erkennen und zu reduzieren.

Therapieansätze

Die Therapie der venösen Thromboembolien besteht aus Antikoagulation und Kompression. Rekanalisierende Maßnahmen wie die operative Behandlung und die Lysetherapie wurden wegen der Gefährdung von Patienten und fehlendem Erfolg verlassen. Auch die endovaskuläre  Rekanalisation hat in der aktuellen, von der Food and Drug Administration (FDA) geforderten, randomisierten und kontrollierten ATTRACT-Studie zur Therapie der akuten Beinbeckenvenenthrombose ein negatives Ergebnis gezeigt. Trotzdem wird sie von der Industrie gefördert und gelegentlich angewandt. Die Durchführung sollte durch Studien oder Register begleitet werden, die den Erfolg dieser Therapie im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie über 20 bis 30 Jahre belegen, denn im venösen System zählt nicht das kurzfristige Ergebnis der endovaskulären  Rekanalisation, sondern die langfristige Lebensqualität.  

Pille und venöser Thromboembolie

Der Zusammenhang zwischen der Einnahme der Pille und venöser Thromboembolie ist seit vielen Jahrzehnten bekannt. Zur Gefährdung von Frauen durch neuere Präparate fehlen aber deutsche Daten. Es wird immer auf Daten andere Länder zurückgegriffen. Im Pillenreport der Techniker Krankenkasse (TKK) aus dem Jahre 2015 wird angegeben, dass immer weniger Frauen eine solche Pille einnehmen. Das Problem dieses Pillenreports ist es aber, dass die TKK nur über Daten von Frauen bis 20 Jahre verfügt, da diese die Pille auf Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bekommen, d. h. eine grundsätzliche Aussage über die Einnahme bestimmter Pillenpräparate und venösen Thromboembolien für alle Frauen ist in Deutschland nicht möglich.

Dabei wäre es relativ einfach für alle Frauen, die mit einer venösen Thromboembolie stationär behandelt werden, die Einnahme und das Präparat der Pille im DRG-System (Diagnosis Related Groups (deutsch: diagnosebezogene Fallgruppen) zu kodieren. Klare Aussagen über das Gefährdungspotential und den Einfluss von Komorbiditäten würde Generationen von Frauen helfen. Deshalb fordert die Thrombose-Initiative e.V. zur Verbesserung der Versorgung von gefährdeten und betroffenen Menschen in Deutschland:

I. Ein Deutschland-weites Thromboseregister mit konservativen und interventionell behandelten Patienten zur langfristigen Verlaufskontrolle über mehr als 20 Jahre.

II. Die Erfassung der Pille von jungen Frauen, die mit VTE, Herzinfarkt und Schlaganfall hospitalisiert werden, im DRG-System.

 

Die Thrombose-Initiative e.V., gegründet 2005 in Mainz, will vorbeugen und als Plattform über die venöse Thromboembolie (VTE) aufklären. Ziel ist es, das Bewusstsein für das Krankheitsbild zu schärfen und zur verbesserten Vorbeugung sowie zur Sicherstellung einer wirksamen Risikoprophylaxe beizutragen. Dazu hat sie in den vergangenen Jahren mehrere Aktionen durchgeführt, beispielsweise eine Plakataktion in allen Hausarztpraxen zum Thema Prophylaxe der Thrombose, und außerdem zum Thema mehrfach publiziert.

Das Pressegespräch führten im Vorfeld des Weltthrombosetages 2017 in Berlin:

 der Vorsitzende der Thrombose Initiative, Dr. med. Christian Moerchel. Er praktiziert als Allgemeinarzt in Mainz und gehört dem Stadtrat von Mainz an. Dort ist er gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion,

sowie der Stellvertretende Vorsitzender Prof. Dr. med. Knut Kröger. Er leitet als Direktor die Klinik für Angiologie des HELIOS-Klinikums in Krefeld.

 

Hinweis

Rudolf Ludwig Karl Virchow war ein deutscher Pathologe, Anthropologe, Prähistoriker und Politiker. Er begründete die moderne Pathologie und vertrat eine sowohl naturwissenschaftlich wie sozial orientierte Medizin.

Die Virchowsche Trias benennt drei ursächliche Faktoren, die zu einer Thrombose führen können:

       Schäden an der Gefäßwand (Intima), Veränderungen oder Gefäßwandschäden, Endothelalteration

       Stase, verringerte Blutströmungsgeschwindigkeit

       erhöhte Viskosität (Dickflüssigkeit, zäher), veränderte Blutzusammensetzung

 

Kontakt

Dr. phil. Michael Moerchel
Freier Journalist – Mitglied der Bundespressekonferenz
Rilkestr. 54 d
53225 Bonn
Tel : 0228 / 2422100
Fax: 0228 / 2423434
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E-mail:
mmoerchel@t-online.de