Nikotinbeutel sind in Deutschland bislang nicht regulär zugelassen. Dennoch sind sie längst verfügbar. Damit entsteht ein Markt ohne ausreichende Kontrolle von Herkunft, Qualität und Jugendschutz. Zugleich verzichtet der Staat auf erhebliche Steuereinnahmen, die für Prävention, Aufklärung und Rauchentwöhnung genutzt werden könnten.

Zeitnahes Agieren ist geboten

Sowohl aus medizinischer und gesundheitsökonomischer Sicht ist das nicht nachvollziehbar. “Für Raucher kann der vollständige Umstieg von Zigaretten auf Nikotinbeutel eine Reduktion gesundheitlicher Risiken bedeuten”, sagen ärztliche Experten des Forum Gesundheit. “Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass ein solcher Wechsel das gesundheitliche Risiko senken kann”. Laut BfR nutzten bereits 2023 rund zwei Prozent der Bevölkerung diese Produkte. Eine bundesweite Ipsos Analyse, die von Philipp Morris in Auftrag gegeben wurde, zeigt zudem, dass heute schon jede sechste Verkaufsstelle in Deutschland auch Nikotinbeutel anbietet. Abgesehen davon, dass das illegal ist, soll eine Vielzahl der angebotenen Produkte gefälscht sein. Genau deshalb braucht es Regulierung.

Bestehende Potentiale effizient nutzen

Auch fiskalisch wäre eine Regulierung sinnvoll. Nach Schätzungen auf Basis von Berechnungen der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft und des Deutschen Steuerzahlerinstituts könnten regulierte Nikotinbeutel bereits 2027 rund 346 Millionen Euro an Steueraufkommen generieren. Bis 2030 könnte das Potenzial auf rund 595 Millionen Euro jährlich steigen. Grundlage dieser Schätzung sind 1,4 Millionen Konsumenten im Jahr 2027, ein angenommener konservativer Konsum von 3,5 Dosen pro Woche sowie ein unterstelltes Marktwachstum von fünf Prozent pro Jahr. „Nikotinbeutel sind nicht harmlos. Aber ein unregulierter Markt ist die schlechteste Lösung. Wer Verbraucher schützen, Fälschungen zurückdrängen und Rauchern risikoärmere Alternativen eröffnen will, muss diese Produkte regulieren und besteuern“, sagt der Krefelder Gefäßmediziner Prof. Dr. Knut Kröger. Die Mehrzahl der europäischen Länder hat diese Produktkategorie bereits reguliert. Deutschland sollte nachziehen: mit klaren Regeln zu Altersgrenzen, Nikotingehalt, Inhaltsstoffen, Kennzeichnung, Verkaufswegen und Besteuerung.

Nikotinbeutel sind de facto auf dem Markt. Eine Regulierung würde Gesundheitsschutz und die Generierung zusätzlicher Mittel für Prävention verbinden. Die aktuelle Nicht-Regulierung stärkt dagegen den Schwarzmarkt, fördert die Verbreitung von Fälschungen und lässt jährlich hunderte Millionen Euro an möglichen Steuereinnahmen ungenutzt.

 


 

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Deutschland lässt Steuereinnahmen bei Nikotinbeuteln liegen